Was Gänseblümchen und Butterblume für die Biodiversität tun – Jan Haft im Gasometer
Bei Gänseblümchen und Butterblume handelt es sich, anders als man auf den ersten Blick vermuten könnte, nicht um Pflanzen, sondern um zwei ausgewachsene Wasserbüffel, die auf dem Hof von Jan Haft für mehr Biodiversität sorgen.
Denn eine der zentralen Thesen von Haft lautet: Ein dichter Wald ist nicht automatisch ein artenreicher Wald. Unser historisch geprägtes Bild vom „gesunden Wald“ – viele hohe Bäume, ein dicht geschlossenes Kronendach, wenig freie Fläche – ist aus Sicht der Biodiversität problematisch. Die allermeisten Arten brauchen Licht und offene Strukturen.
Früher haben große, schwere Pflanzenfresser für diese lichten Verhältnisse im Wald gesorgt. Doch diese sind auf allen Kontinenten bis auf Afrika nahezu ausgerottet. Bei Haft übernehmen die Wasserbüffel diese Aufgabe. Sie sorgen dafür, dass das Grasland auch Grasland bleibt, in dem sie Gehölze zurückdrängen, offene Bereiche schaffen, den punktuell Boden öffnen und durch ihren Dung die Insektenbiomasse erhöhen.
Die meisten heimischen Kerbtiere, Blütenpflanzen, Vögel, Reptilien und sogar Moose und Pilze brauchen zum Leben Lichtungen, Waldränder und lockere Baumbestände. Haft plädiert deshalb für ein Mosaik aus dichtem Wald und offenen bzw. lichten Bereichen.
Solche Bereiche können auch durch Katastrophen entstehen, wie Sturm, Dürre, Feuer oder Borkenkäfer. Oder eben ganz sanft und positiv, durch Weidetiere. Dann können sich Pflanzen, Insekten und andere Tiere dauerhaft ansiedeln, die im dunklen, gleichförmigen Bestand kaum eine Chance hatten.
„Wir müssen verstehen, welche Prozesse Biodiversität erzeugen – und diese Prozesse gegebenenfalls ermöglichen.“ Jan Haft
Ist also der lichte Wald der Wald der Zukunft? Laut Haft lautet die Antwort: nein. Der Wald der Zukunft sollte nicht überall gleich aussehen. Die zentrale Frage lautet vielmehr: Was wollen wir eigentlich von einem Wald? Möglichst viel Holz bedeutet einen eher dichten Bestand. Möglichst viel Biodiversität bedeutet in der Regel Licht, offene Strukturen und unterschiedliche Artengemeinschaften. Klimaanpassung erfordert robuste, vielfältige und vielfach offene Wälder.
Es gibt also nicht den einen, perfekten Wald. Die optimale Gestaltung hängt davon ab, welches Ziel man verfolgt.
Haft setzt sich für lichte Wälder und die Waldweide auf einem kleinen Teil unserer Wälder ein. Diese müssen aber - wie in ursprünglicher, wilder Natur „gepflegt“ werden, durch große pflanzenfressende Tierarten wie Rinder, Pferde, oder die eingangs angesprochenen Wasserbüffel. Andernfalls entwickelt sich jedes Offenland mit der Zeit zu einem dichten Wald.
Damit steht das Konzept der Wilden Weide der noch immer weit verbreiteten Meinung von Naturschützern entgegen, deren Credo lautet: „Wir lassen den Wald einfach in Ruhe, dann wird er automatisch immer naturnäher.“
Hafts fundierter und unterhaltsamer Vortrag war gespickt mit zahlreichen Beispielen, Fotos und natürlich Filmausschnitten, die die schützenswerte Biodiversität unserer Umwelt anschaulich dokumentierten. Nach dem Vortrag bot eine Fragerunde noch die Möglichkeit, die eine oder andere Frage zu diskutieren.
Fotos: Dirk Böttger, Gasometer Oberhausen GmbH